Ich bin allein zu Haus und fühle mich verlassen. Die Sonne scheint. In mir drinnen scheint sie nicht. Wird man so depressiv? Dazu habe ich schlecht geschlafen. Bin nach dem nächtlichen Toilettengang einfach lange nicht wieder eingeschlafen. Meine Lendenwirbelsäule schmerzt, dann wieder nicht, dafür der Rücken in der Nierengegend, Hals, Nacken, Kopf. Unterwegs mit dem Hund ist es besser.
Es wird düster. Ist das die wahrgewordene Dystopie?
Ich sollte keine Zeitung mehr lesen. Aber was passiert dann? Wir müssen doch hingucken, aufpassen, wach bleiben – wie U. immer sagt. Aber um welchen Preis? Wenn ich zerbreche, hat es nichts gebracht. Und ich fühle mich zerbrechlich, sehr sogar.
In meinem Status habe ich vorhin einen Artikel gepostet, in dem dargestellt wird, wie das RKI auf seiner Seite „still und leise – fernab von öffentlichkeitswirksamen Pressestatements“ Einschätzungen zur Pandemie verändert hat.
Postwendend kommentierte Ela Deckert. (ihres Zeichens TCM-Therapeutin und seit Corona plötzlich Impf- (und auch Maßnahmen-)befürworterin. (Soweit ich gehört habe, kennt die TCM gar keine Viren. Wie passt das zusammen?)
„Was genau ist daran, dass das RRKI seine Einschätzungen entsprechend der momentanen Lage ändert, schlimm? Außer die polemische Art des Schreiberlings???“ Zehn Minuten später ergänzte sie: „Es ist eine nie zuvor dagewesene Situation und wie gut und wie lange die Impfung schützt, weiß man auch nicht. Gute Wissenschaft hat kein Problem damit, sich unter veränderter Faktenlage anzupassen!!!!!!“
Was soll ich darauf antworten. Ist eine Antwort überhaupt erwünscht. Um in einen Austausch zu kommen? Nein, dafür stehen mir hier zu viele Ausrufungszeichen.
In Ela gärt es offenbar. 37 Minuten später meldet sie sich noch einmal: „Eine Freundin von mir ist Krankenschwester und hat bis zum Sommer auf Covid-Intensivstationen in Berlin als Springer gearbeitet. Frag die doch mal, was Covid 19 ist und wie das aussieht … Wir hatten gerade gestern wieder ein Gespräch darüber. Sie wäre für radikale Triage: Wer nicht geimpft ist, wird als letzter behandelt oder falls keine Betten zur Verfügung stehen, wird er eben gar nicht behandelt. Finde ich radikal, auch ein rauchender Lungenkrebspatient wird behandelt … Aber sie hat kein Mitleid mehr …
Nun antworte ich ihr doch. Ich erzähle Ela, dass ich heute Nachmittag mit einem Intensivpfleger verabredet bin, um mir sagen zu lassen, wie es aktuell auf den Intensivstationen, auf denen er ebenfalls als Springer arbeitet, ganz bewusst, um sich sein Bild zu machen, aussieht. Dann sage ich ihr noch, dass wir alle geprägt sind, von dem, was wir erleben, erwähne, dass ich Menschen kenne, die die Impfung nicht gut verkraftet haben und darüber Menschen, die unmittelbar Freunde oder Verwandte in Folge der Impfung verloren haben. Ich erzähle von der 23-jährigen Prenzlauer Chorsängerin, die sich als Notfallsanitäterin hat impfen lassen müssen und dann mit drei Thrombosen, einer davon in Herznähe, und dreißig Prozent Überlebenschance auf der Intensivstation gelandet ist. Das sind die Geschichten, die das Leben schreibt, sage ich, und, dass ich es nicht gut finde, Tote gegen Tote aufzuwiegen, aber wir ziehen eben unsere Konsequenzen aus unserem Erfahrungen. Außerdem habe ich ihr gesagt, dass ich parallel dazu eine Politik sehe, die mir überhaupt nicht gefällt, Politiker, die sich in Maskendeals bereichern, Zahlen, die begradigt werden, Zahlen, die anders ausgelegt werden. Ich habe ihr gesagt, wie wichtig ich es finde, sich darüber auszutauschen, dass ich niemanden überzeugen will, dass es mir mit der Situation alles andere als gut geht und ich auch wünschte der ganze Spuk sei lieber heute als morgen vorbei. Um Missverständnissen vorzubeugen, sagte ich, dass ich weiß, dass Covid 19, also die Krankheit, die auf die Lunge geht, richtig gefährlich ist, dass ich sie nicht bekommen möchte und mein Immunsystem deshalb so gut wie möglich stärke. Was nicht ganz einfach sei, es leide trotzdem, durch den Stress dem ich ausgesetzt bin.
Dazu hat Ela sich nicht mehr geäußert.
Natürlich verunsichern mich solche Schilderungen von Menschen, die direkt mit Covid zu tun haben. Aber was sagt das, was Ela mir geschildert hat, konkret? Nichts. Kati hat eine Cousine, die als Krankenpflegerin arbeitet, und fragte diese, woher der Hass auf die Ungeimpften komme. Die Antwort durfte ich in meinem Whats App Status posten.
„Wir haben immer viel zu tun. Das war vor Corona auch so, aber die ganzen Maßnahmen verursachen mehr Arbeit, als die Patienten selbst. Dennoch: ich bin dafür da, damit jeder leben kann, wie er will. Man kann doch den Wert eines Menschenlebens nicht vom Impfstatus abhängig machen. Ich müsste eigentlich sauer sein auf die ganzen Raucher. Aber die begleite ich, wenn sie wieder stabil sind, sogar zum Rauchen nach draußen. Manche haben Bock auf Schokolade, andere auf Zigaretten. Keiner ist deswegen ein schlechterer oder besserer Mensch…. und bevor die uns die Bude anzünden, weil sie im Bett rauchen… Das gab es nämlich auch schon 😱 Manche Kollegen schimpfen auf die Impfgegner. Aber das sind die, die schon immer gejammert haben. Jetzt haben sie einen Sündenbock, der auch noch legitim ist. Unsere Station läuft gerade voll mit recht jungen Patienten, die neurologische Symptome haben, die keiner einordnen kann. Sie werden eingewiesen, weil sie draußen kein MRT bekommen. Die Termine sind wohl über Monate hinweg ausgebucht. Das fällt auf, und unserem Chefarzt dämmert schon ein Zusammenhang zur Impfung. Deshalb müssten sie sich besser über die aufregen, die sich haben impfen lassen. Aber das ist ja politisch nicht korrekt. Wir haben auch mehr Schlaganfälle. Auch auffällig viele Jüngere. Also so zwischen 45 und 55. Auch Nichtraucher und schlanke Typen. Alle müssen einen PCR-Test machen. Ist der positiv, kommen sie wegen des Schlaganfalls zunächst auf die ITS, werden aber als Corona-Patienten in der ITS-Belegung erfasst. Ich weiß nicht, ob es dafür extra Geld gibt. 🤷🏼♀… „
Nun war ich gespannt, was Sven, mein Intensivpfleger erzählen würde. Zunächst war es ihm wichtig zu sagen, dass er mir nur seine kleine eingeschränkte Sicht schildern könne, die aber irgendwie auch eine große Sicht sei, da er seit März auf fünfundzwanzig verschiedenen Intensivstationen in Berliner Krankenhäusern Dienst getan habe.
Er sagt, nirgend sei für ihn eine Notlage sichtbar und auch keine Bettenüberbelastung absehbar. Momentan arbeitet Sven in einem Krankenhaus mit dreißig Intensivbetten. Von denen sind fünfzehn gesperrt, weil kein Personal vorhanden ist, um etwaige Patienten zu versorgen. Aktuell sind sechs Covid-Patienten zu versorgen. Alle sind Risikopatienten, alt und/oder vorerkrankt.
Über Weihnachten wollte Sven in einem Krankenhaus arbeiten. Die dortigen Intensivdienstleistung sagte ihm, die Charieté und Vivantes hätten beschlossen, dass zu den Diensten in den nächsten drei Monaten keine weiten Mitarbeiter hinzugebucht werden dürften. Svens Chefin, also die Chefin der Leasingfirma, deren Angestellte das betrifft, wusste davon allerdings noch nichts.
Zwei Kollegen von, die in einem Krankenhaus im Süden Berlins Dienst tun, erzählten ihm, dass die dortige Intensivstation in jeder Schicht mit 80 Prozent Leasingmitarbeitern laufe.
Bestätigen konnte Sven, dass in der derzeitigen Welle wirklich mehr junge Menschen (30, 40, 50-jährige) schwer an Covid erkrankten, die keine offensichtliche Vorerkrankung hätten – ABER: und das bestätigt seine Freundin, die in Bonn auf einer Intensivstation arbeitet, meistenteils Ausländer sind. Eine Erklärung für dieses Phänomen hat Sven bislang nicht.
Eine Stunde haben wir um dieses Thema herum munter geplaudert.
Ich merke, was ich schon tagsüber wahrgenommen habe, mir fehlen die Menschen. Allerdings brauche ich sie gerade dosiert. Meinen Prenzlauer Lindenkreis habe ich wieder sausen lassen, fühle mich nicht gewachsen – mir wird schwindlig, wenn ich mir unseren Raum und die Gespräche darin vorstelle. Jetzt sitzen sie wohl gerade noch zusammen.
Mein TelegrammKanal spinnt wieder. Die Nachrichten erreichen mich alle Stunden verspätet. Ich nehme es wieder als Wink von oben. Digital Detox!!!
Zwei Tage Grün- und Schwarzteeentzug und ich habe wie ein Murmeltier geschlafen. Als ich gegen neun auf mein Handy schaute, war die Whats App, die P.D. an mich gesandt hatte schon drei Stunden alt. Ich frage mich, wann schläft dieser Mann?
D.P. schrieb:
Hallo, guten Morgen liebe Frau Mechsner, ich hab mal eine Bitte. Heute steht ein ganz widerlicher Leserbrief gegen V.P. in der Zeitung. Könnten Sie nicht mal ein paar Zeilen dagegen schreiben und aufklären mit Informationen. Es ist wirklich ein ganz dummer und polemischer Leserbrief. Wenn Sie etwas schreiben könnten, wäre das sehr schön. Ich würde es auch machen, aber ich denke, das ist keine so gute Idee, da mein Ruf diesbezüglich schon so einseitig ist. Der Leserbrief von Frau P. bezog sich im Ursprung auf Frau Ms Schilderung ihrer Coronaerkrankung. Herzliche Grüße und einen guten Tag.
Nun war ich gespannt auf diesen Leserbrief.
Vermutlich hätte ich auch ohne D.P. Bitte mit einem Leserbrief darauf reagiert.
Das Denken darum beschäftigt mich den ganzen Tag. Ich hätte noch so viel mehr schreiben können und eigentlich auch wollen. Für einen Leserbrief ist der Text grenzwertig lang. Mal sehen, Frau R. hat ihn an ihren Chef weitergeleitet, er allein, schrieb sie, entscheidet, ob er gedruckt wird.
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Wie reden wir Menschen miteinander? Ist es überhaupt noch ein Miteinander? Oder nicht mehr ein Aneinandervorbei? Und noch vielmehr ein Übereinander, um den anderen zu treffen, zu verletzen, mundtot zu machen? Was bringt Corona dieser Tage nur ans Licht?
Zunehmend erlebe ich den Missbrauch unserer Sprache als Waffe. Ich sorge mich – was passiert, wenn wir nicht mehr miteinander reden können? Was kommt nach der Spaltung?
Ich bin erschrocken über den Leserbrief von K. Müller und seinen Gedanken, die der Kurier unter der Überschrift: „Impfverweigerer sind nicht in der Opferrolle“ abgedruckt hat. Ich frage mich, wo befinden wir uns? In einem Glaubenskrieg? Um ein Virus und allem, was im Zuge dieses Virus geschieht?
Corona ist keine Glaubensfrage! Genau dazu jedoch wird es stilisiert. Mittels Sprache.
Da wird mit Begriffen wie Impfverweigerer, Coronaleugner, Pandemie der Ungeimpften, Tyrannei der Ungeimpften, Impfmobbing, Maskenverweigern, Covidioten um sich geschmissen und fällt auf offenbar fruchtbaren Boden.
Wie soll unter diesen Umständen ein Diskurs stattfinden. Ein Diskurs wie ich ihn mir seit Beginn dieser viralen Krise wünsche. Einen Diskurs zwischen Wissenschaftlern verschiedener Fachrichtungen und unterschiedlicher Erkenntnisse. Das nämlich ist meiner Ansicht nach Wissenschaft – die Auseinandersetzung von Position und Gegenposition.
Warum findet diese nicht statt? Warum wird stattdessen diffamiert und zensiert? Immer wieder höre ich, es gäbe keine Beschneidung der Meinungsfreiheit. K. Müller hat sie mit seinem Leserbrief ganz klar gefordert – damit sich „die geimpfte Mehrheit der Bevölkerung nicht schon beim Lesen der Tageszeitung am Frühstückstisch über ihre Thesen (Anm. die der Impfverweigerer) aufregen und in der Folge zwar nicht an Corona oder einer Coronaschutzimpfung, dafür aber ganz real an einem Herzinfarkt sterben muss.“
Ich frage mich, ob sich Herr Müller schon mal gefragt hat, was sein Leserbrief an meinem Frühstückstisch auslösen könnte?
Ich denke, das ist unsere große Aufgabe, zu überlegen, was könnte den anderen bewegen so und nicht anders zu handeln. Warum gibt es trotz Bratwurst und G2 eine immer noch resistente Gruppe, die sich nicht impfen lassen will?
Und da bin ganz bei V. P., deren Leserbrief Herr Müller gerne nicht abgedruckt gesehen hätte, die schreibt: Information ist eine Holpflicht! Anders als Frau P. denke ich, sie ist auch eine Bringepflicht. Da die Presse dieser vielfach jedoch nicht nachkommt, müssen wir uns Informationen holen. Gut wäre es, diese dann auch noch selbst zu durchdenken.
Ich zum Beispiel frage mich, wie das Narrativ (früher nannte man es Märchen) durch unsere Presse aufrechterhalten werden kann, dass die Ungeimpften unter dem Pflegepersonal für den Corona-Ausbruch und damit den Tod etlicher Bewohner des Seniorenheims am Werbellinsee verantwortlich sind. Das wird natürlich nicht exakt so geschrieben, aber bei Herr Müller kommt es so an. Und das obwohl inzwischen glasklar ist, dass sich auch geimpfte Menschen infizieren und das Virus weitergeben können. Ist es da nicht vielleicht sogar wahrscheinlicher, dass das Virus über das geimpfte Personal, das sich nicht testen lassen muss, eingeschleppt worden ist? Damit sind wir bei den Tests? Ist es inzwischen nicht auch allseits bekannt, wie umstritten der PCR-Test ist? Das positiv getestet, nicht gleich erkrankt bedeutet? War man deshalb nicht davon abgerückt, die Inzidenz zum alleinigen Faktor dafür zu machen, welche Maßnahmen verhängt werden oder nicht? Jeden Tag nun wieder wird die Inzidenz wie die Kuh durchs Dorf durch unsere Medien gejagt. Es wird wieder und wieder und weiter Angst geschürt. Ich kann den Aufruf von V.P. nur unterstützen: Informieren sie sich!
Auch darüber, wie es in unseren Pflegeheimen aussieht. Wie es den Schutzbefohlenen ergeht in diesen Einrichtungen, für die sie teuer bezahlen, und die trotz Corona vielfach weiter zu Tode gespart werden.
Und was Frau M. und ihre Coronaerfahrung anbelangt, denke ich, hätten ihr einige beruhigende Worte eines Arztes und vielleicht noch der eine oder andere Tipp aus Omas Heilkräuterrepertoire oder auch das Rezept für einen Hustenstiller gereicht. Meinem Verständnis nach wäre das die Pflicht eines jeden Arztes. Frau Ms Enttäuschung über diese Nichtwahrnehmung kann ich sehr gut verstehen.
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Auf meiner Hunderunde traf ich eben K. mit seinem Hund. K. fragte, ob ich zur Zeit schreibe. Ich erzählte ihm, was mich beschäftigt. Wir sind uns einig, dass diese Spaltung Mist ist. Dass die gewollt ist, sieht K. nicht so. Er sieht nur das Virus, das verheerenden Schaden anrichten (kann). Die Meinungsfreiheit sieht er überhaupt nicht gefährdet und bemüht den Vergleich zu anderen Ländern, wo es ganz anders aussähe. Grundsätzlich scheint das Ganze für ihn etwas Vorübergehendes zu sein, dass es auszusitzen gilt, um danach weiterzumachen wie bisher. Die Deutschen haben schon ganz anderes überstanden. Sein Rat: ich solle mich einfach weniger beschäftigen.
Wiederholt und in jeder Folge wieder wird in Cui Bono erzählt, dass Ken Jebsen trotz mehrfacher Anfrage keine Stellungnahme zum Podcast abgeben wollte. Dabei, sagt Khesrau Behroz, einer der Macher des Podcasts, hätten wir so viele Fragen.
Als H. mir den Podcast empfohlen hatte, sagte ich, ich fände es besser, wenn nicht über Jebsen, sondern mit Jebsen gesprochen worden wäre. „Das haben sie versucht, aber Jebsen hat sich bis heute nicht dazu geäußert“, antwortete mir H.
Was soll ich davon halten? Ich selbst möchte, dass miteinander geredet wird. Jebsen will das auch und dann verweigert er sich selbst. Antwortet nicht einmal. Genau wie einige Politiker und Wissenschaftler, die für die Aktion „AllesaufdenTisch“ angefragt worden waren und nicht reagiert haben.
Es fehlen Bausteine. Wann erfolgte wie, welche Anfrage?
Wenn ich auf der Seite zum Podcast den „Klappentext“ lese, sieht das nicht so aus, als sei dort jemals eine seriöse und ausgewogene Berichterstattung geplant gewesen. Ziel ist die Diffamierung, die Verunglimpfung, die Freigabe zum Abschuss.
Cui Bono erzählt die Geschichte von Ken Jebsen: dem ehemaligen Radiomoderator, der zu einem der wohl einflussreichsten Verschwörungsideologen Deutschlands wurde. Wie konnte es dazu kommen? Der Podcast erzählt aber auch die Geschichte vom Einfluss der sozialen Medien, vom Erfolg von Verschwörungsideologien, vom erstarkenden Populismus in unserem Land – und wie all diese Kräfte sich in Zeiten von Corona gegenseitig verstärken und unsere Gesellschaft destabilisieren und beschädigen.
Ich denke, es ging nie um Gespräche auf Augenhöhe. Immer nur um Stellungnahmen. Wie oft aber wurden gerade in dieser Zeit Stellungnahmen „entstellt“?
Frank sagt, Ken Jebsen habe sich zu solchen Stellungnahme-Anfragen schon mehrfach geäußert. Demnach ist Jebsen zu Stellungnahmen nicht bereit. Wohl aber zu Gesprächen, zu Gesprächen, wie er selbst sie macht, ungeschnitten und unegframt. Ein Dialog.
Mitten in meine Gedanken platzt die Nachricht, dass in Berlin in acht Tagen 2G zur Regel gemacht werden soll.
Da ist es wieder das Heulen hinter meinen Augen.
Ich rufe Netti an. Danach lache ich wieder und strahle und bin mutig gespannt auf die Zukunft. Weshalb? Ich habe Netti erzählt, wie erschüttert, nee, eigentlich wie sprachlos und verwundert – trifft es nicht ,ich brauche irgendein Wort, dass Verwunderung und Erschütterung in einem ist – ich bin, weil in Berlin ab 16. November tatsächlich 2G gelten soll. Wie gut, dass ich am 14. lese. Gehen die Leute jetzt auf die Straße? Ich fürchte nicht.
Netti sorgt sich deshalb nicht. Sie geht davon aus, dass genügend Menschen die Regeln unterlaufen. Ziviler Ungehorsam. Bestes Beispiel ist ja unser Caféhauserlebnis auf Usedom. Solche Erlebnisse hat Netti in Mecklenburg ständig. Ich selbst habe auch sofort überlegt, wie ich wo unter Umgehung sämtlicher Regeln draußen lesen könnte.
Außerdem ist Netti weiterhin gewillt alles mit Humor zu nehmen. Wenn Montgomery gestern zum Beispiel sagt, wir hätten eine Tyrannei der Ungeimpften, dann weiß Netti sofort, dass sie gemeint ist. Was sie bisher allerdings nicht wusste ist, dass sie eine Tyrannin ist. Nun hat sie sich daran gemacht, mal nachzuschlagen, was einen Tyrannen (gegendert: eine Tyrannin) ausmacht. Nettis Erkenntnis lautet: Ich habe ungeheure Macht. Ich kann mir quasi alles erlauben. Vielleicht wollen die gar nicht hetzen, sondern haben echt Schiß vor uns.
Sehr belustigend findet Netti den Begriff des Ungeimpftenmobbings. Wenn man das Wort auseinandernimmt oder einfach umdreht, kommt dabei heraus, dass wir, also die Ungeimpften, die Geimpften zum Mobbing zwingen würden.
Geht’s noch absurder?
Humor ist, wenn man trotzdem lacht. Aber wie sollen Menschen, denen es an die Existenz geht, lachen?
Seit ich von Prof. Dr. Christian Schubert gehört habe, wie begeistert er ist, jetzt in dieser Zeit, in diesen Wirren zu leben, überlege ich, wie das für mich ist. Im ersten Augenblick würde ich natürlich sagen: beschissen! Wir wissen nicht wo es hingeht. In Mecklenburg sind wohl ab morgen die Testzentren geschlossen. 2G. Jens sagt gerade: Wer weiß, ob deine Lesung nächste Woche stattfinden kann. Es soll jetzt vermehrt in Richtung 2G gehen.
Wann endlich rennen all die Geimpften auf die Straße, die gesagt haben, wenn es zum Ausschluss der Ungeimpften kommt, dann würden sie auf die Straße gehen?
Als kleines und auch noch etwas größeres Mädchen habe ich immer ein wenig bedauert, in einer Zeit zu leben, in der man politisch nicht so aktiv sein konnte, wie meine Vorbilder, die Antifaschisten während des 3. Reiches. Nun kann ich politisch aktiv sein. Will es auch. Muss es auch. Wenn ich ehrlich bin, gefällt mir das auch. Manchmal. Tief in mir drinnen.
Wenn ich nur wüsste, ob es sich auszahlt. Unser krankes System abgelöst wird, von einem gesünderen, menschenwürdigerem, friedlichen …
Es schlaucht. Der Boden wankt. Verglichen mit dem Leben, meiner „Vorbilder von einst“ verläuft mein Leben augenscheinlich bequem. Wenn nur die Psyche nicht wäre.
Ich habe Teil zwei und drei des Podcasts „Cui bono“ über Ken Jebsen gehört. Zwischendurch habe ich mich gefragt, ob ich vielleicht doch den falschen Informa(n)t(ion)en aufgesessen bin. Es werden Ereignisse angeschnitten aus der Zeit vor Corona, von denen ich einfach keine Ahnung habe – diese angeblich von rechts unterwanderten Friedensmahnwachen – was hat es damit auf sich? Sind die Vergleiche, die Jebsen zwischen dem israelischen Macht- und Kriegsgebaren und dem Genozid der Nationalsozialisten angestellt hat, wirklich antisemitisch? Zwischendurch dann wieder ist die Subbotschaft so eindeutig, dass es mich graust, wie dieses Diffamieren funktioniert. Wie Parallelen von ganz weit hergeholt werden. Wenn über Menschen wie mich als Grundgesetzfans gesprochen und die Demo vom 29. August 2020 als Sturm des Mob auf den Reichstag propagiert wird, dann erschüttert mich das und ich bin erschrocken, weil ich von zwei Menschen weiß, dass sie diesen Podcast (in dem Daniele Ganser als einer der Verschwörungstheoretiker, bei dem Ken Jebsen in die Lehre gegangen ist) große Klasse finden.